Im Garten Eden

a bit of nature„He, schöne Frau.“
„Woher willst du wissen, dass ich schön bin? Ich bin hier die einzige Frau, du hast gar keine Vergleichsmöglichkeiten.“
„Nimm es einfach als Kompliment, Zicke. Und nimm diesen Apfel.“
„Was soll ich damit?“
„Gib ihn dem Kerl dahinten, der schon seit Ewigkeiten so tut, als sähe er nicht, dass du nackt bist.“
„Nackt? Wer ist nackt? Was ist nackt?“
„Ach, komm schon, Babe. Erzähl mir nicht, dass ihr beide echt nicht wisst, was Nacktheit ist.“
„Hm, nee du, echt nicht.“
„Dann ist es umso wichtiger, dass du ihm diesen Apfel gibst.“
„Besonders saftig sieht der aber nicht aus.“
„Darauf kommt es jetzt nicht an. Gib ihn einfach an den Kerl weiter. Er soll davon essen und du auch.“
„Ginge nicht ein etwas weniger schrumpeliges Exemplar? Und glänzen tut er auch nicht.“
„Jetzt nimm endlich den verdammten Apfel, du Schlampe!“
„Ja, ist ja schon gut. Und was wird danach anders?“
„Ihr habt dann eine Vorstellung davon, was nackt ist. Und ihr habt definitiv mehr Platz um euch rum.“
„Wozu brauchen wir mehr Platz?“
„Glaub mir, Schätzchen, wenn ihr erst von dem Apfel gegessen habt, dann wollt ihr euch mal aus dem Weg gehen.“
„Aber ich mag Adam gern um mich rum haben.“
„Das ist prima, Mädchen. Aber das könnte sich ändern. Er ist doch manchmal ziemlich rechthaberisch, oder nicht?“
„Schon, ein bisschen. Ich hätte das eine oder andere Tier anders benannt. Dich zum Beispiel hätte ich nicht Schlange genannt.“
„Sondern wie?“
„Verschlagenes Miststück?“
„Hm, ich mag es, wenn du so dominant bist.“
„Sag mal, kann es sein, dass Adam dich angestiftet hat, mir den verdammten Apfel in die Hand zu drücken?“
„Äh, wie kommst du darauf?“
„Das würde zu ihm passen. Wenn ich ihm den Apfel gebe und dann passieren irgendwelche blöden Sachen, dann kann er immer behaupten, es wäre meine Schuld gewesen.“
„Damn. Du bist echt zu clever für den kleinen Stinker dahinten. Also was machen wir jetzt?“
„Ich schlage vor, wir lassen die Sache mit dem Apfel sein und versuchen etwas anderes.“
„An was hattest du denn gedacht? Oh, he! Was ….? Das ist keine gute Idee, Babe! Mach den Knoten wieder raus! Nein, geh weg mit der Grillzange, ich schmecke nicht, das schwöre ich. NEEEIIIIIIIN!!!!!!!!“
„Adam! Essen ist fertig! Und wasch dir vorher die Hände!“
„Ja, Gebieterin. Gibt es zum Nachtisch vielleicht etwas Obst?“
„Das könnte dir so passen. Im Übrigen solltest du dir mal was anderes ausdenken, als es immer wieder mit Hilfe der Schlangen zu versuchen. Die sind fast so dämlich wie du.“
„Aber Eva, anders komme ich nie aus diesem blöden Garten raus.“
„Warum auch?“
„Willst du nicht wissen, was sich jenseits davon verbirgt? Warum wissen die Schlangen, was nackt ist und wir nicht? Und überhaupt solltest du mir untertan sein, immerhin bist du nur aus einer meiner Rippen gemacht.“
„Ach, Adam, wie oft müssen wir das denn noch klären. Ich habe dir erlaubt, alles um uns herum mit Namen zu benennen, reicht das nicht? Und immerhin bin ich aus Knochen geformt, du nur aus einem Klumpen Lehm.“
„Vielleicht fragen wir unseren Schöpfer, wer von uns beiden das Sagen haben soll.“
„Schöpfer? Wie willst du das machen?“
„Ich bin sicher, wenn wir so einen Apfel essen, dann wissen wir es.“
„Ich frage mich schon die ganze Zeit, wieso du nicht einfach zu diesem blöden Baum gehst und dir selber einen Apfel pflückst, anstatt immer eine Schlange anzustiften.“
„Weil die Äpfel doch so hoch hängen. Und ich habe Höhenangst.“
„Memme. Aber ich fürchte, du hast dann ab sofort ein anderes Problem. Wie ich es sehe, war das köstliche Abendessen hier die letzte Schlange.“
„Oh, ausgestorben?“
„Jap.“
„Hm, ja, dann weiß ich auch nicht weiter.“
„Na endlich. Heißt das, wir können jetzt schön hier in der Sonne liegen und du hörst auf, von fernen Ländern zu schwafeln?“
„Aber…“
„ADAM! Du machst mich irre!“
„Ja, ist ja schon gut. Aber was ist mit Kindern? Willst du keine?“
„Was hat das damit zu tun?“
„Wir wissen nicht, wie man sie macht, ohne den Apfel.“
„Oh, da war was.“
„Also? Essen wir jetzt von dem Apfel?“
„Hm, ich glaube, ich frage vorher erst jemanden, der sich damit auskennt.“
„Wen denn? Es gibt hier niemanden außer uns. Die Schlange hier hätte vielleicht was gewusst, aber du musstest sie ja unbedingt grillen.“
„Adam, halts Maul. LILITH?????“
„Eva, meine Beste, du hast mich gerufen? Oh, Adam, du lebst immer noch?“
„Lilith, du darfst hier gar nicht sein. Geh weg!“
„Oh, jetzt habe ich aber Angst.“
„Hmpf.“
„Also, was ist euer Problem? Ihr wollt den Akt vollziehen und wisst nicht wie?“
„Hä?“
„Ja, schon gut. Also, ich persönlich verstehe zwar nicht, was du an dem Kerl hier findest, aber ich fürchte, ohne den Apfel wird das in der Tat nichts.“
„Ach, Lilith, könntest du nicht davon essen? Mir bekommt Obst immer so schlecht.“
„Vergiss es, Eva. Ich habe eine Fruchtsäure-Allergie. Und eine Adam-Allergie, wenn ich es recht bedenke. Also viel Spaß dann. Ach, bevor ich es vergesse: Wenn dann sein Anblick dir übel aufstößt, dahinten wachsen ziemlich große Feigenblätter. Ich bin dann weg!“
„Und was jetzt?“
„Wir essen vom Apfel.“
„Ach, jetzt auf einmal, ja? Wieso hörst du immer nur auf diese blöde Kuh?“
„Du bist doch nur sauer, weil sie dir nicht untertan sein wollte.“
„ICH HABE EIN RECHT DARAUF, DASS DAS WEIB MIR UNTERTAN SEI!“
„Adam, schrei hier nicht so rum und kletter endlich auf den Baum. Ich hole schon mal die Feigenblätter.“
„Jawohl, Gebieterin.“

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